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Die Welt in Sprache gefasst

Die Welt in Sprache gefasst

Dorothee Elmiger schrieb mit den «Holländerinnen» den Roman des vergangenen Jahres. Gleich drei bedeutende Buchpreise wurden der Autorin für dieses Werk verliehen und die Jurystimmen überboten sich an Lob. Dieser Roman sei «ein Ereignis», Elmigers Stil «gleichzeitig distanziert und doch fesselnd».

Gestern nun war Dorothee Elmiger für ein öffentliches Gespräch mit Lesung an der Kantonsschule Romanshorn. In den «Holländerinnen» berichtet eine Schriftstellerin von ihrer Reise in den südamerikanischen Dschungel als Teil einer Theatertruppe. Diese ist auf den Spuren zweier holländischer Touristinnen, die vor Jahren dort verschwunden sind. Doch das Projekt läuft ziemlich aus dem Ruder: Die Gruppe wird vom Urwald nahezu verschluckt und erzählt sich verstörende Geschichten.

Leana Bächinger (2Mgz) und Emilia Langer (2Mgz) gelang es mit ihrer souveränen Moderation, dass dem Publikum schnell klar wurde, dass es in den «Holländerinnen» um weit mehr als die reale Geschichte zweier verschwundener Frauen geht. Thematisiert werden existentielle Fragen, wie beispielsweise unser Verhältnis zur Natur oder dem Unheimlichen.

Sechs Jahre hat Dorothee Elmiger an den «Holländerinnen» gearbeitet und sie öffnete dem Publikum einen Blick in ihre Werkstatt: So war unter anderem zu erfahren, dass die Autorin auf Recherchereise war, sich ausgiebig mit dem Gegenwartstheater befasste, sie manche Geschichten aus mehreren Quellen zusammensetzte und worin die Bedeutung der verwendeten Zitate liegt. Allem zu Grunde liegt aber die für eine Schriftstellerin bedeutsame Frage, wie man die Welt in Sprache fassen kann. Welche Ausschnitte in welchen Worten, denn Literatur sei immer ein kunstvoll gemachter Text und «keine Simulation von Wirklichkeit».

Foto: Markus Speissegger

Daniela Colombo, 07.05.2026