«Mich hat schon immer alles interessiert.» – Interview mit Pius Geiger
Nach fast zwanzigjähriger Dienstzeit an der Kantonsschule Romanshorn tritt Pius Geiger, der Leiter unserer Administration, per erstem April 2026 seinen wohlverdienten – und in seinem Fall ist das Adjektiv in keiner Weise als Floskel zu verstehen – Ruhestand an. Kurz vor seiner Pensionierung hat sich die Kommunikationsgruppe der KSR mit Herrn Geiger getroffen, um ihn zu seinem Werdegang sowie seiner Zeit an der Schule zu befragen.
Pius, erzähl ein bisschen von dir: Seit wann bist du an der KSR und welche Karriere-Etappen hast du vorher absolviert?
Offiziell bin ich seit dem ersten Januar 2007 hier. Meine Karriere habe ich als Oberstufenlehrer im Kanton St. Gallen Mitte der 1980er Jahre begonnen. Sechs Jahre lang unterrichtete ich sprachlich-historische Fächer, wie zum Beispiel Latein, aber auch Sport, Musik und Tastaturschreiben – damals noch auf Schreibmaschinen. Ich war schon immer an allem interessiert; darum bin ich auch nicht Gymnasiallehrer geworden, da mir ein Entscheid unter den vielen spannenden Studienfächern unmöglich schien.
Danach wollte ich dann aber etwas anderes als Schule machen und wechselte zur Swisscom, wo ich eine entsprechende Ausbildung mit Branchenprüfung absolvierte. Anfangs war ich im Kundendienst für Mietleitungen und Videotex (eine Art Vorläufer der heutigen Internet-Angebote) tätig. 1991 gab es noch kein Teams und wenn Firmen via Videokonferenz mit Kunden oder Partnerfirmen in Übersee, z. B. in den USA, korrespondieren wollten, konnten sie für tausende von Franken entsprechend eingerichtete Studios bei Swisscom mieten. Meine Kolleginnen und Kollegen und ich waren jeweils für die technische Umsetzung verantwortlich. Die umständliche Prozedur zur Behebung von Systemproblemen kann man sich heute kaum noch vorstellen. Heute kann jedes Handy unglaublich viel mehr als die Systeme damals.
Gerade diese technische Entwicklung, die ich über mein Berufsleben hinweg beobachten und miterleben konnte, hat mich immer fasziniert. Nicht alle Neuerungen führten aber zwingend von Beginn weg zu Verbesserungen; die ersten Druckerserver waren zum Beispiel tickende Zeitbomben, die unter Umständen zum Verlust von drei-, vierstündiger Arbeit beitragen konnten. Ich bin heute noch entsprechend geprägt: Meine Maus-Hand läuft auf Autopilot und drückt bei der Arbeit am Computer regelmässig automatisch den «Speicher»-Knopf.
Innerhalb der Swisscom wechselte ich nach ein paar Jahren dann die Stelle und arbeitete als Disponent in der Logistik, als die ersten Glasfaserkabel aufkamen. Da zu jener Zeit ständig neues Material und neue Materialzusammensetzungen auf den Markt kamen, sehr viel gebaut wurde und dementsprechend der Bedarf an Material enorm hoch war, galt es, mich stetig mit Technikern auszutauschen und vorausschauend Bestellungen aufzugeben, um den Lagerbestand mit entsprechenden Bestellungen aufrechtzuerhalten. Einer meiner Höhepunkte war, bei akuten Lieferengpässen eine Bestellung so zu organisieren, dass Kunststoffrohre, die am Morgen in der Fabrik hergestellt worden waren, am Abend desselben Tages schon im Boden verbaut waren.
Doch jener Bauboom nahm Ende der 90er-Jahre sein Ende und die Logistikabteilung, in der ich gearbeitet hatte, wurde später aufgelöst. Da sich dies abgezeichnet hatte, wechselte ich dann im Jahre 1999 ins Generalsekretariat des Thurgauer DEK.
In der Vorbereitung für das Interview hast du uns bereits verraten, dass du beim DEK regelmässig Kontakt mit der Kanti Romanshorn hattest und sie als interessante Schule mit grossem Entwicklungsschwung wahrnahmst. Hat es dich deshalb hierhin verschlagen?
Ich hatte mit allen Thurgauer Mittelschulen Kontakt und stellte schon früh fest, dass da die Schulorganisation sehr abwechslungsreich verläuft. Als dann an der KSR die Stelle «Leiter Administration» neu geschaffen wurde beziehungsweise geschaffen werden musste, da die Schulleitung aufgrund diverser administrativer Verpflichtungen zahlreiche Überstunden machte, bewarb ich mich darauf und wurde schliesslich angestellt.
Worin bestand dein Aufgabenbereich?
In der Anfangszeit gehörte es unter anderem zu meinen Aufgaben, bei der Optimierung von bestimmten Prozessen mitzuhelfen. Beispielsweise führte der damalige Rektor Alois Krähenmann nicht nur die eigentliche Rekrutierung neuer Lehrpersonen durch, sondern bewältigte auch den dazugehörigen administrativen Aufwand. Da konnte ich dann einspringen und auch Vorschläge und Wünsche anbringen, wie man bestimmte Abläufe noch effizienter gestalten könnte.
Bei den zwei Wechseln der Telefonzentrale waren die Beteiligten (vor allem auch im Hausdienst) daran interessiert, optimale Lösung zu finden, zum Beispiel für Pikett- oder Notfall-Nummern. Dafür investierten wir etwas Zeit und Energie, was ich mit meinem Swisscom-Hintergrund sehr gerne unterstützte.
Und irgendwann hast du dann die Leitung des Personalwesens übernommen?
Genau, das war eine meiner neuen Funktionen. Eigentlich gab es immer wieder neue Jobs, die ich übernahm. Glücklicherweise konnte ich für die vielen neuen Aufgaben stets von Erfahrungen und vorher Gelerntem profitieren. Hätte ich zum Beispiel nach der Lehrertätigkeit direkt zum DEK gewechselt, hätte ich in jenem Aufgabenbereich keine Chance gehabt; was ich bei der Swisscom gelernt hatte, wappnete mich für die neuen Herausforderungen. Und so ging es mir schliesslich auch, als ich hierhin wechselte.
Wie sieht heute dein Standard-Tag aus – falls es diesen überhaupt gibt?
In erster Linie lese und beantworte ich sehr viele E-Mails, berate aber auch direkt bei personellen Fragen und Problemen, und erledige die laufenden, administrativen Aufgaben (Entscheide schreiben, Lohnabrechnungen hochladen, Spesen freigeben und so weiter). Früher war ich jeweils auch einen halben Tag pro Woche im Front Office und hatte entsprechend regelmässig Kontakt mit unseren Schülerinnen und Schülern.
Gibt es Entwicklungen oder Errungenschaften, an denen du beteiligt warst, die dich besonders stolz machen?
Stolz ist wahrscheinlich das falsche Wort hier, da immer auch Glück mitgespielt hat. Dennoch gibt es Dinge, die mir besonders Freude bereiten, so zum Beispiel die Kinderkanti. Wir wären bei der ersten Durchführung mit 30 Anmeldungen zufrieden gewesen, kamen aber unter eine regelrechte Lawine an Interessierten. Das war noch lange vor dem Begabtenförderungsprogramm des Kantons, bei dessen Konzipierung die Verantwortlichen uns zur Kinderkanti befragten.
Gab es auch Entwicklungen, z. B. im technischen Bereich, die weniger erfolgreich waren?
Ja, aber die habe ich alle verdrängt. (Grinst.)
Du hast uns bereits verraten, dass du sehr viele Interessen und entsprechend auch Hobbies hast. Eines davon ist die Musik. Du spielst in mehreren Bands, richtig?
Ja, ich spiele fix in zwei Bigbands Bassposaune und helfe manchmal auch in anderen aus; dies ist aber eher selten der Fall, da Bassposaunisten eigentlich selten ausfallen. Ich muss allerdings auch ergänzen, dass dieses Hobby sehr zeitintensiv ist und ich erst vor einem Jahr der zweiten Band beigetreten bin, da ich wusste, dass die zusätzlichen Termine nach der Pensionierung gut möglich sein würden. Beim Musikverein Romanshorn wirke ich auch regelmässig mit.
Und du hast schon immer Blasinstrumente gespielt?
Zuerst habe ich Querflöte gespielt und an der Musikschule unterrichtet. Mit der Bassposaune habe ich erst mit 48 begonnen. Dabei hat meine musikalische Vorbildung in vieler Hinsicht geholfen, jedoch blieb die Herausforderung der anderen Blastechnik und dann auch der ungewohnten Rhythmen bei den Swing- und Latin-Stücken.
Wie viele Stunden pro Woche verbringst du denn im Schnitt mit der Musik, also mit Üben zu Hause und Proben mit den Bands?
Das rechne ich lieber nicht aus. (Lacht.) Aber ich schaue bestimmt viel weniger fern als vor zwanzig Jahren, obwohl ich heute noch gerne Fussballspiele und weitere Sportarten verfolge.
Fussball hast du selbst ja auch gespielt und dich zusätzlich auch immer wieder mit japanischer Kampfkunst beschäftigt. Bis heute, nicht wahr?
Ja, ich habe bis etwa 40 Fussball gespielt und ein paar Jahre lang parallel zum Fussball Karate praktiziert, wobei ich natürlich andere Muskelgruppen beanspruchte und deutlich beweglicher wurde, was mir letztendlich auch beim Fussballspielen sehr zugute kam.
Und seit etwa vier Jahren betreibe ich Kyūdō, also traditionelles japanisches Bogenschiessen, was mir unheimlich Spass macht und meine Konzentration fördert.
Deine Pensionierung steht vor der Tür und zweifelsohne wird dir allein dank deiner vielen Hobbies nicht langweilig werden. Dennoch: Hast du schon konkrete Pläne? Steht eine Reise an?
Am ersten April werden meine Frau und ich einen Tag lang gemeinsam unterwegs sein… und am Abend habe ich Probe. Sonst nichts Grosses. Aber ganz im Ernst, die Lebensqualität, die ich durch das Wegfallen meines Vollpensums an Arbeit gewinnen werde, ist ein wahrer Sechser im Lotto. Ich habe keinen Nachholbedarf oder das Gefühl etwas verpasst zu haben, aber eine lange Liste an kleineren Pendenzen, zum Beispiel Arbeit am Haus und im Garten, die ich jetzt schrittweise abhaken kann.
Zum Schluss noch ein paar Kurzfragen: Welchem Schulfach entspricht deine Arbeit am ehesten?
Vielleicht dem von Mark Riklin geleiteten Labor für angewandte Soziologie?
Gibt es eine besonders amüsante Anekdote, an die du dich erinnern kannst?
Nein, aber zahlreiche Momentaufnahmen aus dem Alltag.
Die Einführung von Abacus: Wirklich eine Optimierung oder eher eine «Verschlimmbesserung»?
Teil, teils. Man muss schon sagen, dass unsere Personalarbeit nicht mehr auf dem vorherigen Level ist. Aber Leuten mit einem gewissen Flair für das Technische erleichtert es doch einiges.
Hast du noch einen abschliessenden Kommentar?
Eine Botschaft zu hinterlassen, liegt mir nicht so, aber grundsätzlich will ich sagen, dass man sich bei uns an der Schule wirklich Mühe gibt, um auf die einzelnen Schulangehörigen einzugehen und sie mitzunehmen – und das finde ich eine grosse Qualität.
Gabriele Desantis, 30.03.2026