Soll die «Halbierungsinitiative» angenommen oder abgelehnt werden? – Politpodium an der KSR
Wie jeden Januar veranstaltet die Fachschaft Geschichte der Kantonsschule Romanshorn im Rahmen der «Offenen Kanti» auch während dieser Herbstsemesterschlusswoche ein Politpodium. Dieses Jahr steht die Abstimmungsvorlage «200 Franken sind genug! (SRG-Initiative)» zur Diskussion.
Romanshorn, 19. Januar 2026
Letztlich gehe es um nichts weniger als unsere Demokratie, tönt es von der Contra-Seite. Allein diese Aussage – sollte sie sich bewahrheiten – wäre Grund genug, das gewählte Debattenthema zu legitimieren. Auch unser Geschichtslehrer Daniel Engeli nennt in seiner Begrüssung Gründe, weshalb wir uns selbst in Zeiten enormer geopolitischer Spannungen mit dieser nur vermeintlich trivialen Vorlage auseinandersetzen sollten, über die am 08. März 2026 abgestimmt wird. So sei es zum Beispiel eine Frage davon, Des- und Fehlinformation einzugrenzen und die Qualität der Berichterstattung aufrechtzuerhalten. Das anschliessende Einstiegsreferat der beiden Schülerinnen Laura Bösch (4Ma) und Alissa Eugster (4Mb) führt das Publikum etwas detaillierter in die Thematik ein: Einzelne eindrückliche Zahlen und Fakten werden präsentiert, wie zum Beispiel, dass eines der SRG-Flaggschiffe, SRF1, als Meinungsmacht nur den vierten Rang hinter 20Minuten, YouTube und Instagram einnimmt. Ausserdem rechnen unsere beiden Maturandinnen vor, weshalb die Initiative zu einer Halbierung des Budgets der SRG (deshalb auch «Halbierungsinitiative») führen würde, obwohl die Gebühr selbst um etwa 40 Prozent gesenkt werden soll.
Um den anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauern bei der Entscheidungsfindung zu helfen – tatsächlich bezeugen viele im Saal Anwesende durch Handerheben, dass sie sich zur Vorlage noch keine feste Meinung bilden konnten –, sind je zwei Politikerinnen und Politiker sowie ein ehemaliger Journalist zur Debatte geladen: Nationalrätin Nina Schläfli (SP), Kantonsrätin Raffella Strähl-D’Ambrosio (SVP), Kantonsrat Gabriel Macedo (FDP), der ehemalige NZZ-Bundeshausredaktor Markus Häfliger sowie Joel Beck (Ortspräsident Jungfreisinnige Weinfelden). Souverän moderiert wird der Austausch der Contra- und Pro-Seite von den beiden Schülerinnen Sara Heqimaj (4Mdz) und Liv Löwe (4Mfz).
Die angeregte Debatte selbst bestätigt schliesslich ein drittes Mal die Relevanz des Diskussionsgegenstandes. Beide Seiten tragen diverse Argumente vor. Während Beck und Strähl-D’Ambrosio dafür plädieren, die Initiative anzunehmen, um der zu gross gewordenen SRG zu helfen, wieder vermehrt ihr Kerngeschäft zu fokussieren, halten Schläfli, Häfliger und Macedo entgegen, dass der von der SRG gebotene mediale Service public integral für die direkte Demokratie sei und sich die Einsparungen für jeden Haushalt bei Annahme der Initiative auf weniger als 30 Rappen pro Tag beliefen. Wolle man der Bevölkerung wirklich helfen, müsse man bei anderen Aspekten ansetzen, zum Beispiel den kontinuierlich steigenden Krankenkassenprämien. Gegen die Behauptung, die öffentlich-rechtliche Finanzierung biete Schutz gegen Fake News, da die SRG aufgrund dieser nicht zugunsten einer politischen Partei oder Gesinnung polarisieren müsse, wird eingewendet, dies sei nicht Sache der Medien; viel mehr seien Eltern und Schule aufgefordert, jüngere Menschen entsprechend aufzuklären. Die Beobachtung, das Aufsetzen von Druck habe bereits dazu geführt habe, die SRG dazu zu bewegen, ökonomischer zu sein (beispielsweise wurde 2025 das relativ teure Gesellschaftsmagazin «G&G» eingestellt), wird gekontert durch die Feststellung, dass die Initiative schlichtweg zu weit gehe und eine Halbierung des SRG-Budgets mit der Schliessung vieler Regionalbüros und hunderten Entlassungen verbunden sei.
Obwohl den beiden Gruppen augenscheinlich wichtig ist, das Publikum von ihrem Standpunkt zu überzeugen, bleibt die Veranstaltung sachlich und höflich. Differenziert und im harten Gegensatz zu den irritierenden Gebärden vieler Exponenten der Weltpolitik liefern sich die Vertreterinnen und Vertreter von Pro und Contra einen vorbildlichen Schlagabtausch ohne Polemik oder persönliche Angriffe. Anschliessend an die Debatte beantworten die fünf Gäste noch die zahlreichen Fragen der Zuhörenden. Seinen Abschluss findet der politische Nachmittag im Lehrpersonenzimmer, wo der Austausch zwischen den Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmern und vielen Interessierten aus der Zuhörerschaft noch eine Weile im geselligen Rahmen weitergeführt wird.
Vielen Dank allen Beteiligten für das Ermöglichen dieses wirklich gelungenen Anlasses!
Bild: Markus Bösch
Text: Gabriele Desantis
Gabriele Desantis, 26.01.2026