Eine Autorinnenlesung der besonderen Art – Zora del Buono an der Kanti Romanshorn
«Macht euch nicht unglücklich!», appelliert Zora del Buono, Trägerin des Schweizer Buchpreises, besonders an die jungen Männer der Kantonsschule Romanshorn, die sich an diesem Dienstagmittag zusammen mit ihren Mitschülerinnen, Lehrpersonen und interessierten Gästen in der Aula der Schule eingefunden haben. Dass schwere Autounfälle einen ein Leben lang verfolgen, zeigen del Buonos «Seinetwegen» und ihre Ausführungen dazu eindrücklich auf.
60 Jahre lang habe sie mit ihrer Mutter nicht über den Autounfall, der ihren Vater das Leben kostete, geredet. Dann sei zunehmend Interesse dafür aufgekommen, mehr über jenen schicksalhaften Tag im Jahre 1963 zu erfahren. Ausserdem wäre durch die fortschreitende Alzheimer-Erkrankung der Mutter die letzte Chance, doch noch etwas über den Vater, den Unfall und den «Töter» E. T. herauszufinden, bald verpasst gewesen. Gebannt hört man Zora del Buono zu, während sie den Schaffensprozess ihres «Romans einer Recherche» erfrischend offen und unverblümt beschreibt. Überhaupt wirkt die Zürcher Autorin sehr nahbar, ihr Auftritt absolut authentisch. Zum Charme der Veranstaltung tragen letztlich auch die Anwesenheit del Buonos Hündin Natalina, die übrigens offiziell eingeladen war, und deren Interaktion mit unserem Moderationsteam bestehend aus Merle Moarefi und Dorian Kremenovic (beide 2Mb) bei.
Die Stimmung in der Aula der KSR ist während der Lesung entsprechend ausgelassen und es macht Spass, der Autorin dabei zuzuhören, wie sie dem Publikum, neben der Besprechung ihres Textes, die Funktionsweise des Buchbetriebs näherbringt. Beispielsweise erfahren die Anwesenden, dass Verlage für ihr halbjährliches Programm jeweils einen Spitzentitel bestimmen, der von den Verlagsvertreterinnen und -vertretern – ganz im Stile von Handlungsreisenden – den Buchhandlungen schmackhaft gemacht werden soll. So stört es auch niemanden, dass das eigentliche Lesen des Buches eher kurz ausfällt. Inklusive Zora del Buono, die angibt, traditionelle Lesungen selbst eher schwierig zu finden. Anzumerken ist ihr das allerdings wenig, denn auf die wenigen, aber dafür sehr anregenden Fragen unseres Moderations-Duos findet sie stets treffende Antworten, die nicht zuletzt auch viel über die Schriftstellerin selbst verraten. Auch das Publikum erhält noch die Möglichkeit, an der Fragerunde teilzunehmen.
Diese äusserst unterhaltsame Veranstaltung markiert eines der Highlights des diesjährigen «Offene Kanti»-Programms.
Bild: Markus Speissegger
Text: Gabriele Desantis
Gabriele Desantis, 17.12.2025