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Der Sound der Wut und der Würde

Der Sound der Wut und der Würde

Behzad Karim Khani las aus seinem Roman «Als wir Schwäne waren»

 

Was ist das für ein Autor, der so wuchtig und zugleich so poetisch schreiben kann? Dessen Roman «Als wir Schwäne waren» voller Gewalt ist, im Untertext aber viel Zartheit mitschwingt. Man durfte zu Recht neugierig sein auf den Autor Behzad Karim Khani.

Inzwischen ein erfolgreicher Schriftsteller, gab Khani gleich zu Beginn des Gesprächs zu, dass es ihm an Schulen wohl sei: «Hier werde ich verstanden, in klassischen Literaturhäusern nicht unbedingt.»

Der Roman erzählt von Reza, der nach der Flucht seiner Familie aus dem Iran in einer westdeutschen Mietskasernensiedlung lebt, in der es nach Armut riecht und die Gesetze der Gewalt gelten. Der Junge erfährt Kränkung und die Demütigung, die er auch in den Alltagserfahrungen seiner Eltern wahrnimmt, verwandelt sich bald in ein viel mächtigeres Gefühl: in eine Wut, die den Sound des Romans bildet.

«Als wir Schwäne waren» ist autobiografisch eingefärbt, aber der Autor betonte im Gespräch mit Lea Seitter (3Mb) und Rebaz Sayed (3Mb), dass es sich um fiktive Literatur handle. Khani kommt aus den beschriebenen schwierigen Verhältnissen; er kennt, worüber er schreibt. Im Gegensatz zu seinen Figuren aber hat er es geschafft, der Kriminalität zu entkommen – und zu überleben. Als Schriftsteller wolle er den erfundenen Charakteren gerecht werden, auch in ihrer Würde. Sein Text habe keine Botschaft jenseits der Geschichte der Figuren. Persönlich hat Khani ein schwieriges Verhältnis zu Deutschland, sein Schreiben aber versteht er als Hommage an die deutsche Sprache. «Deutsch bringt eine grosse Verantwortung mit sich, da man bis zum letzten Wort präzise sein muss. Ein ‘nicht’ am Ende eines langen Satzes dreht den gesamten Inhalt um.» Zudem ermögliche die deutsche Sprache eigene Wortkreationen. Aber – ja – der Klang sei nicht der Beste.

«Als wir Schwäne waren» bezieht sich im Titel auf die Tatsache, dass Schwäne Zugvögel, in unseren Breitengraden aber in jeder Jahreszeit präsent sind. Und was ist mit den Menschen? Jene, die eine Heimat verlassen haben – finden sie eine neue am neuen Ort? Auch Reza stellt sich am Ende des Buches, jetzt als erwachsener Mann mit einem Sohn, diese Frage. Genauso der Autor.

Die Fragen und Reaktionen der Schüler:innen bestätigten Behzad Karim Khani: Von den Jugendlichen wird sein Roman verstanden.

Foto: Markus Speissegger

Text: Daniela Colombo

 

 

 

Daniela Colombo, 02.04.2025